The Heracleum Pages

© Jörg Ochsmann 2004

Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum): FAQs (Häufig gestellte Fragen)

(Stand: 14.08.2007)


Wie kann man Riesen-Bärenklau bekämpfen?

Jede Bekämpfung ist sehr langwierig, erfordert einen hohen Arbeitsaufwand und viel Disziplin und ist leider nicht immer von Erfolg gekrönt. Daher erscheint nach meiner Auffassung eine Bekämpfung nur sinnvoll, wenn z.B. eine direkte Gefährdung für Menschen (bes. spielende Kinder) besteht oder der Naturschutz dies erfordert. 

Jungpflanzen bilden sehr schnell eine kräftige, rübenartige Wurzel aus, in der eine große Menge Nährstoffe gespeichert sind. Diese ermöglich nach einer Maht den schnellen Neuaustrieb, so daß erst häufiges Mähen die Pflanzen merklich schwächt. Mechanische Beschädigungen der Wurzel durch Tritt (bei Beweidung) oder Fräsen haben offenbar den größten Erfolg, große Einzelpflanzen können auch ca. 15 cm unter der Erdoberfläche abgestochen werden. Die Pflanzen bilden keine Ausläufer, so daß bei einer Beschädigung des Vegetationspunktes die Pflanzen absterben.

Es dürfen keine Pflanzen zur Fruchtreife gelangen, da eine einzige Pflanze bis zu 30.000 Teilfrüchte bilden kann, die mehrere Jahre im Boden überdauern. Daher müssen Bestände müssen über mind. 5 Jahre hinweg im Frühsommer regelmäßig kontrolliert werden, um blühende Exemplare zu entfernen. Eine einzige fruchtende Pflanze macht damit i.d.R. den zurückliegenden Bekämpfungserfolg zunichte! Wenn möglich sollten blühende Pflanzen erst abgeschnitten werden, wenn die Hauptdolde am verblühen ist, da die Pflanzen sonst innerhalb weniger Wochen neue Blütenstängel ausbilden. Die Pflanzen überdauern zunächst ein bis mehrere Jahre als Rosetten, bevor sie zur Blüte kommen. Nach der Blüte "schalten" sie auf Fruchtbildung um und sterben ab. Vor diesem "Umschalten" werden immer wieder neue Blütenstande gebildet oder die Pflanzen überdauern unter ungünstigen Bedingungen jahrelang als Rosetten.

Dolden mit unreifen Früchten müssen unbedingt entsorgt werden, da die Früchte nachreifen und ggf. durch den Wind verbreitet werden!

Von S. Kern wurde 1997 in einer Diplomarbeit Aufwand, Erfolg und Belastung der Umwelt verschiedener Methoden (chemisch und mechanisch) untersucht und verglichen. Als chemisches Mittel wurde dort "Roundup Ultra" erfolgreich benutzt. Weitere erfolgreiche Maßnahmen waren bedingt Beweidung (Schädigung durch Tritt) und vor allem Fräsen.

Maßnahme Massenbestände Einzelpflanzen
Maht (+)1 (+)1
Fräsen + +
(Schaf-)Beweidung + +
Abstechen (ca. 10-15 cm tief) - +
Herbizid (z.B. "Round Up Ultra") (+)2 +2
Entfernen der Blütenstände - (+)3

1 Führt langfristig zu einer Ausdünnung der Bestände, da die Pflanzen durch das Mähen geschwächt werden.
2
Der Einsatz von Herbiziden ist aus Natur- oder Gewässerschutzgründen nicht immer möglich und sinnvoll. Aus den gleichen Gründen ist eine Einzelpflanzenbekämpfung einer großflächigen Bekämpfung vorzuziehen.
3
Das Entfernen der Blütenstände ist nur sinnvoll, wenn die Blüten der Hauptdolde bereits am Verblühen sind. Die Pflanzen haben dann auf Fruchtbildung "umgeschaltet" und sterben ab, andernfalls werden in kurzer Zeit neue Blütenstände gebildet.

Literatur


Welche Lebensdauer hat Riesen-Bärenklau?

H. mantegazzianum ist hapaxanth, d.h. nach einmaligen Blühen bzw. Fruchten sterben die Pflanzen ab. Im Idealfall kommen sie im zweiten Jahr zu Blüte, unter ungünstigen Bedingungen (z.B. Beschattung, Mahd, Beweidung etc.) können sie jedoch viele Jahre (> 5!) vegetativ (als Blattrosetten) überdauern. Sobald die Früchte reifen, sterben die Pflanzen ab, Neuaustriebe von fruchtenden Pflanzen oder die Bildung von Ausläufern wurden nicht beobachtet. Oftmals erwecken Keimlinge, die direkt an der Stengelbasis keimen, den Eindruck, als ob die Pflanzen weiterlebten.


Wodurch werden die Hautschäden verursacht und handelt es sich dabei um eine allergische Reaktion?

Die massiven Hautschäden (Phyto-Photo-Dermatitis) werden durch den hohen Gehalt an linearen Furocumarinen verursacht (z.B. Psoralen), die unter UV-Einfluß mit der Erbsubstanz (DNA) reagieren. Die Symptome, die schweren Verbrennungen ähneln, sind langwierig und müssen in schweren Fällen im Krankenhaus behandelt werden (Abbildungen bei Hausen & Vieluf 1997).
Einige der Inhaltsstoffe des Riesen-Bärenklau stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Daher sollte auch bei bedecktem Wetter der Kontakt mit den Pflanzen vermieden werden. Ähnliche Stoffe sind übrigens auch Bestandteil von Bräuningscremes.
Bei den Hautschäden handelt es sich nicht um allergische Reaktionen, auf die nur anfällige Personen reagieren. Die Schädigungen hängen von der Intensität der UV-Strahlung ab, d.h. bei sonnigem Wetter ist die Gefahr weit größer als bei bedecktem Himmel. Die Aufnahme der Inhaltsstoffe wird durch feuchte Haut (z.b. durch Schwitzen) begünstigt, wobei empfindliche Hautpartien (Arm-Innenseiten, Gesicht, Schleimhäute) besonders betroffen sind.

Literatur (Hautschäden)
Literatur (Inhaltsstoffe)


Wie kann ich mich vor Hautschäden schützen?


Verdrängt der Riesen-Bärenklau einheimische Arten?

Innerhalb größerer Bestände von H. mantegazzianum ist die Artenzahl extrem gering, da die großen Blätter einen Großteil (bis zu 80%) des nutzbaren Lichtes aufnehmen. Allerdings fand ich bei meinen Untersuchungen fast keine seltenen Pflanzenarten in oder in der Nähe von Riesen-Bärenklau-Beständen. Meist werden ohnehin artenarme Standorte besiedelt, die ohne H. mantegazzianum von der Brennessel (Urtica dioica) oder anderen Ruderalpflanzen dominiert würden.


Wird sich der Riesen-Bärenklau weiter ausbreiten?

Nach meiner Auffassung hat die Ausbreitung ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, da es z.Z. noch so gut wie keine natürlichen Feinde (Fraßfeinde oder Krankheiten, s.u.) gibt, die die Vitalität der Pflanzen verringern. Im Bereich naturnaher Standorte sehe ich eher eine geringe Ausbreitungstendenz, die Pflanze bevorzugt aufgrund ihrer rel. hohen Lichtansprüche ruderale oder vom Menschen veränderte Standorte. Solange Gewässerränder naturfern gestaltet sind sehe ich nur geringe Chancen, H. mantegazzianum zu begrenzen, auch wenn sich ähnlich wie bei der Wasserpest (Elodea canadensis) ein Gleichgewicht mit der einheimischen Vegetation einstellen wird.


Hat der Riesen-Bärenklau bei uns natürliche Feinde?

"Natürliche Feinde" sind bislang nicht bekannt, der Befall mit Mehltau oder Fraßinsekten ist äußerst gering (verglichen mit dem Wiesen-Bärenklau, H. sphondylium), die meist reichlich vorhandenen Blattläuse schwächen nach meinen Beobachtungen die Pflanzen nicht nennenswert.

weitere Information


Wie wächst der Riesen-Bärenklau in seiner Heimat, dem Kaukasus?

Die Situation im Kaukasus ist mir nur aus wenigen Bildern bekannt, jedoch scheint es dort keine Massenbestände zu geben, der Anteil der Pflanzen scheint etwa dem von H. sphondylium in unseren Hochstaudengesellschaften zu entsprechen. Allerdings kann ich nach meinen Erkenntnissen nicht völlig ausschließen, daß sich die in Europa verwilderten Pflanzen von den Wildpflanzen im Kaukasus unterscheiden. Denkbar wären einerseits eine Anpassung an das hiesige Klima, andererseits eine Hybridisierung verschiedenen Riesen-Bärenklau-Arten in Botanischen Gärten zu Beginn der Einführung nach Europa. H. mantegazzianum wächst im Kaukasus bis in Höhen von über 2300 m. ü.M. in Gebieten mit 1000-2000 mm Jahresniederschlag.


Kommen in Deutschland verschiedene Riesen-Bärenklau-Arten vor?

Verwildert oder eingebürgert nicht, neben H. mantegazzianum wird zwar gelegentlich auch Heracleum persicum Desf. ex Fisch., Mey. & Avé-Lall. (Persicher Bärenklau) genannt, Literaturangaben von verwilderten Pflanzen (z.B. THELLUNG 1926, FUKAREK & HENKER 1984) beziehen sich aber nach eigenen Untersuchungen auf H. mantegazzianum. Nach OCHSMANN (1996) existieren aus Deutschland  nur Belege von kultiviertem H. persicum.

Literatur